Der schönste Tag – und fast hätten wir ihn verpasst.

Eine Geschichte über Benzin, Geduld und Delfine im Roten Meer – und darüber, warum manchmal alles schiefgehen muss.


Wir wollten Delfine sehen.
Wir hatten ein Privatboot, einen Guide und einen Plan.
Was wir nicht hatten, war Benzin.
Und genau das wurde das Beste, was uns passieren konnte.


Wir sind seit Tagen völlig aufgeregt. Die Wind-App ist in dieser Zeit die wichtigste App auf meinem Smartphone.

Für mich ist es die zweite Tour dieser Art. Und ich frage mich die ganze Zeit: Kann es wirklich noch einmal klappen? Kann man zweimal so viel Glück haben?


Dany hatte ihre Tour vor einigen Jahren sogar abgebrochen. „Das war so schrecklich. Die ganzen Schnellboote sind mit ihren lauten Motoren auf die armen Tiere zugerast. Es war eine regelrechte Jagd.“
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Nein. Genau das will ich nicht.
Auf keinen Fall.
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Wir recherchieren, planen, sprechen mit Veranstaltern. Mehrmals. Und dieses Mal achten wir nicht auf das Geld. Privatboot. Nur wir zwei.

„Your guide is Sam. He is a good guide. He loves the dolphins.“
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Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Kaffee. Tasche ist gepackt: Schnorchel, Flossen, Schwimmshirt, Sonnenmilch.

45 Minuten Fahrt nach Hurghada. Im Auto sitzen noch andere Leute, aber dieses Mal interessieren wir uns nicht für die anderen. Wir wollen heute so wenig Menschen wie möglich. Am liebsten keine.

Einer fällt trotzdem auf. Viel zu laut, viel zu viele Touristensprüche. Nicht besonders witzig. Eher ein bisschen peinlich. „Hi, I am Sam.“

Nein. Das kann nicht sein.
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Wir sind im Hafen, cremen uns dick ein. Es ist noch früh, aber schon fast 30 Grad. Ich liebe diese Hitze. Schuhe habe ich seit einer Woche nicht mehr angehabt.

Dann lernen wir die Bootscrew kennen: der Kapitän mit langen, welligen Haaren und sonnengebräunter Haut. Und sein junger Begleiter. Er ist vielleicht 16.
„I’m 18.“
Of course.
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Wir verlassen den Hafen. Mit uns starten noch zwei andere Schnellboote. Und dann geht alles ganz schnell: Motoren heulen auf, die Boote rasen los, überholen sich, springen über die Wellen.

Dany und ich schauen uns an. Erstmal abwarten. Erstmal zur Lagune.

Das Wasser spritzt uns ins Gesicht, wir fliegen über die Wellen. Es macht so unglaublich Spaß.
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Langsam wird die Fahrt ruhiger. Die anderen Boote werden am Horizont kleiner. Ein großes Tauchboot zieht an uns vorbei. Hinten am Heck liegen Flaschen, Flossen, Neoprenanzüge. Ich stelle mir vor, wie die Menschen später in eine andere Welt abtauchen werden.

Ich bin in Gedanken, als plötzlich Sam vor mir steht. Rotes Gesicht. Sichtlich verlegen.

Wir haben ein Problem.

Oh scheiße, denke ich sofort. Ist das Boot kaputt?

„Wir haben nicht mehr genug Benzin. Die Jungs haben vergessen zu tanken. Das ist noch nie passiert. Es tut mir so leid.“

Ich starre ihn an. Dann lache ich. Sam lacht nicht.
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„Die Lagune“, schießt es mir durch den Kopf. Werden wir rechtzeitig da sein? Tiere haben ihre Zeiten. Ihre Plätze.

Wir warten. Was sollen wir auch sonst tun? Mitten auf dem Meer wird unser Boot aufgetankt. Auch ein Abenteuer.

Aber über eine Stunde ist verloren.

Als wir schließlich die Lagune erreichen, sehen wir nur noch, wie die anderen Boote ablegen.

„Ja, sie waren hier. Aber sie sind schon wieder weg.“

Und in diesem Moment sind wir einfach nur traurig. Natürlich – Wildlife, keine Garantie. Aber dieses Mal waren sie wirklich da. Und wir waren zu spät. Wegen Benzin.

Unsere Guides geben alles, fahren kreuz und quer über das Meer, fragen jedes Boot: „Have you seen them?“

Der Wind wird stärker. Die Hoffnung verschwindet. Irgendwann geben wir auf und fahren stattdessen zu einem Schnorchelspot.
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Das Wasser ist tiefblau, glasklar, die Unterwasserwelt wunderschön. Ein schöner Tag. Trotz allem.

Plötzlich große Aufregung. Sam winkt wild. Wir sollen sofort zum Boot.

„We have to go. Schnell! Sie sind wieder da!“

Wir rasen los. Kurz vor der Lagune wird der Motor leiser. Ganz leise. Wir wollen sie nicht stören.

Während die Jungs noch ankern, springen wir schon ins Wasser und schwimmen los. Richtung Lagune.
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Und dann sehe ich ihn. Weit weg. Aber eindeutig. Ein Delfin. Er schwimmt ruhig seine Kreise, taucht ab, taucht wieder auf.

Wir bleiben ruhig. Schwimmen langsam weiter.

Das Meer ist plötzlich ganz still. Die Sonne steht über dem Wasser, alles wirkt unwirklich, fast mystisch.

Dann noch einer.
Und noch einer.
Und sie kommen näher.
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Sie schwimmen um uns herum, die Kreise werden kleiner. Dany, Sam und ich sind etwas abseits von der anderen Gruppe. Die meisten Boote sind schon weg. Wir sind spät dran. Und plötzlich ganz allein mit ihnen.

Wir machen nichts. Wir warten nur.
„Don’t swim after them“, sagt Sam. „They saw us. They will come.“

In diesem Moment weiß ich: Genau deshalb sind wir hier.
Keine Jagd. Keine lauten Boote. Kein Hinterherschwimmen.

Wir warten. Und sie kommen.
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Vier Delfine schwimmen um uns herum. So nah, dass man sie berühren könnte. Aber man darf es nicht.

Sie kommen von links, von rechts, unter uns, neben uns. Unglaublich schnell. Und gleichzeitig strahlen sie eine Ruhe aus, die ich nicht beschreiben kann. Eine Ruhe und eine Güte, die man kaum in Worte fassen kann.

Mein ganzer Körper ist plötzlich voller Glück. Und ich denke nur: Jetzt nicht weinen. Nicht in der Schnorchelmaske weinen.
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Sie bleiben 45 Minuten bei uns.

45 Minuten in ihrem Element. Und wir dürfen einfach da sein.

Dann verschwinden sie wieder in der Tiefe.
Und ich weiß: Das war der schönste Tag meines Lebens.
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Und noch etwas: Ein großes Danke an Sam, der am Ende genau der Guide war, den wir uns gewünscht hatten. Still, geduldig und mit echtem Respekt für die Tiere.
„He loves the dolphins“, hatte man uns vorher gesagt. Jetzt weiß ich, was damit gemeint war.
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Delfine – Ägypten

Fakten

  • Im Roten Meer vor Ägypten leben häufig Große Tümmler
  • Sie bewegen sich meist in kleinen bis größeren Gruppen
  • Kommunikation erfolgt über Klick- und Pfeiflaute
  • Sichtungen in freier Wildbahn sind nicht planbar
  • Begegnungen hängen immer vom Zufall des Moments ab
  • Trotz Nähe zum Menschen bleiben sie Wildtiere
  • Körperlänge meist etwa 2 bis 4 Meter
  • Gewicht zwischen ca. 150 und 300 Kilogramm
  • Ihr Körper ist stromlinienförmig, perfekt an das Leben im Wasser angepasst
  • Die Haut wirkt glatt und grau bis blaugrau, je nach Licht